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Alternative Finanzierungsformen

Alternative Finanzierungsformen (u.a. Wagniskapital, Factoring und Leasing, Crowdfinanzierung) spielen für einen Großteil der Unternehmen eine immer noch sehr untergeordnete Rolle, obwohl im Zuge des Wandels der Finanzmärkte (u.a. Basel II und Basel III) die alternativen Finanzierungsformen nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Zum einen ist bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oft nur ein sehr begrenztes Wissen über alternative Finanzierungsformen vorhanden. Außerdem werden von KMU oft die Risiken deutlich stärker gewichtet als die Chancen. Ziel der rheinland-pfälzischen Mittelstandspolitik ist es daher, KMU in geeigneter Form über die unterschiedlichen Möglichkeiten sowie die Chancen und Risiken von alternativen Finanzierungsformen zu informieren und die vorhandene Hemmschwelle abzubauen.

Zum anderen ist gerade der deutsche Venture-Capital-Markt im Vergleich zum angelsächsischen Bereich noch ausbaufähig. Eine Stärkung und Verbreiterung der Beteiligungsfinanzierung ist daher notwendig. Die ISB stellt mit verschiedenen Tochtergesellschaften bereits Venture Capital für KMU zur Verfügung. Außerdem besteht eine enge Partnerschaft mit dem Verein Business Angels Rheinland-Pfalz e.V.

Crowdfinanzierung

Crowdfinanzierung (Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdlending) hat sich in den letzten Jahren als neue Finanzierungsform entwickelt und zeigt ein starkes Wachstum. Dabei bietet sie vor allem für Start-ups und innovative Unternehmen in der Frühphasen-Finanzierung eine Chance, da hier oftmals klassische Finanzierungsinstrumente wie der Bankkredit nicht greifen.

Crowdfunding

Das Kernelement von Crowdfunding besteht darin, dass Geld für ein Projekt oder Vorhaben über eine Vielzahl an Geldgebern eingesammelt wird. Umgesetzt wird dies durch eine Plattform, auf der sich das Start-up einer Vielzahl an Geldgebern präsentieren kann. Die Geldgeber können sich dabei oft schon mit Kleinstbeträgen ab 1 € beteiligen. Statt Zinsen oder Gewinnbeteiligungen gibt es als Gegenleistung für das eingesammelte Kapital in der Regel Sachleistungen oder immaterielle Leistungen - sogenannte "Dankeschöns". Dadurch besteht beim klassischen Crowdfunding auch kein Beteiligungs- oder Schuldverhältnis zwischen Unternehmen und Geldgebern.

Crowdinvesting

Beim Crowdinvesting sucht das Start-up Kapital und bietet im Gegenzug eine Beteiligung an dem Unternehmen an. Der Investor ist damit an der Entwicklung des Start-ups beteiligt und hofft auf eine Wertsteigerung seiner Anteile. Damit rückt die Rendite in den Fokus. Im Unterschied zur Finanzierung durch einen Business Angel wird das Kapital beim Crowdinvesting durch eine Vielzahl an kleinen Geldgebern aufgebracht. Daher spricht man auch oft von einer Schwarmfinanzierung.

Crowdlending

Beim Crowdlending vergeben Privat- oder Geschäftsleute einen Kredit. Das Prinzip funktioniert bei allen Anbietern gleich: Privat- oder Geschäftsleute mit Finanzbedarf können ihr Projekt online präsentieren, die gewünschte Kreditsumme, den Zinssatz und die Laufzeit angeben. Schufa-Score oder Bonität werden bei einigen Plattformen standardmäßig abgefragt und mit angezeigt, bei anderen nur auf freiwilliger Basis. Potenzielle Investoren können sich dann, wenn ihnen die Rahmenbedingungen zusagen, mit einer beliebigen Summe bei einem oder mehreren Projekten beteiligen. Grundsätzlich gilt: Je besser die Bonität, desto niedriger die Zinsen. Ist ein Projekt voll finanziert, wird dem Kreditnehmer das Geld zur Verfügung gestellt. Dieser zahlt den Kredit dann inklusive Zinsen in monatlichen Raten anteilig an die Investoren zurück.

Weiterführende Informationen finden Sie zum Beispiel auf der Homepage des German Crowdfunding Networks oder auf dem Existenzgründungsportal des BMWi.

Leasing und Factoring

Leasing bietet sich immer dann an, wenn die im Unternehmen vorhandenen, frei verfügbaren Mittel ausgeschöpft oder die Zuführung von Eigenkapital oder Fremdkapital nicht möglich oder erwünscht ist. Factoring ist vor allem für Unternehmen interessant, die einen Jahresumsatz von mindestens 500.000 Euro aufweisen und deren durchschnittliche Rechnungsbeträge mindestens 200 Euro betragen. Zusätzlich sollte der Kundenstamm aus einem breit diversifizierten Kreis gewerblicher Abnehmer bei Zahlungszielen von 30 bis 120 Tagen stammen.

Leasing

Beim Leasing handelt es sich um ein Rechtsgeschäft, bei dem der Leasinggeber dem Leasingnehmer ein bewegliches (Mobilienleasing) oder ein unbewegliches (Immobilienleasing) Wirtschaftsgut, zeitlich befristet, gegen Entgelt zur Nutzung überlässt. Im Hinblick auf die Vertragsgestaltung haben sich weitläufig die beiden Formen "Operate Leasing" und "Finanzierungsleasing" ergeben. Das "Operate Leasing" ist im Gegensatz zum "Finanzierungsleasing" vor allem durch seine kurze Nutzungsüberlassung gekennzeichnet. Als weiteres Verfahren ist noch das "Sale-and-lease-back" zu erwähnen. Hierbei verkauft der Leasingnehmer zumeist ein langlebiges Wirtschaftsgut (z. B. Fahrzeuge, Verwaltungsgebäude) an eine Leasinggesellschaft, um dieses sogleich wieder zurück zu leasen.

Weiterführende Informationen zum Thema Leasing finden Sie u.a. auf der Homepage des Verbands Deutscher Leasing-Unternehmen oder auf dem Existenzgründungsportal des BMWi.

Factoring

Hierunter wird aus Sicht des sich finanzierenden Unternehmens (=Klient) der laufende Ankauf von kurzfristigen Forderungen aus Waren und Dienstleistungsgeschäften durch Abtretung (§§ 398 und 433 BGB) und deren Verwaltung durch eine Factoring-Gesellschaft (auch Factor genannt) auf Grundlage einer langfristigen Rahmenvereinbarung verstanden.

Weiterführende Informationen zum Thema Factoring finden Sie u.a. auf der Homepage des Deutschen Factoring Verbands.

Wagniskapital

Die Vorteile von Wagniskapital liegen in der Erhöhung des bilanziellen Eigenkapitals und in den oftmals angebotenen Unterstützungsleistungen der Kapitalgeber (Know-How, Netzwerke, Sachmittel, Infrastruktur) und sollten im Zuge des Wandels der Finanzmärkte (u.a. Basel II und Basel III) nicht außer Acht gelassen werden.

Venture Capital/Private Equity

Dem Unternehmen wird außerhalb der Börse risikotragendes Kapital ohne Sicherheiten bereitgestellt (Eigenkapital). Zu unterteilen ist in Venture Capital (Finanzierung von jungen Unternehmen in der Seed-, Start-up- und First-Stage-Phase) und Private Equity i.e.S. (Beteiligung an bereits etablierten Unternehmen, also in einer Later-Stage-Phase).

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz GmbH (ISB) stellt über verschiedene Tochtergesellschaften (Beteiligungsfonds) Unternehmen in Rheinland-Pfalz Beteiligungskapital in Form von Direkt-Beteiligungen (Erwerb von Gesellschaftsanteilen) und/oder typisch stillen Beteiligungen zur Verfügung. Weitere Informationen dazu erhalten Sie auf der Homepage der ISB.

Weiterführende Informationen zum Thema Wagniskapital finden Sie u.a. auf der Homepage des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Business Angels (Beteiligung durch Privatpersonen)

Neben Beteiligungsgesellschaften können sich auch einzelne Privatpersonen direkt an einem Unternehmen beteiligen. In Rheinland-Pfalz gibt es den Verein Business Angels Rheinland-Pfalz e.V. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage der Business Angels Rheinland-Pfalz e.V.

Ansprechpartner

Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Sabine Wendel
Stiftsstraße 9
55116 Mainz
Telefon: 06131-16 5657 
sabine.wendel(at)mwvlw.rlp.de