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Projekt "Energiearmut vorbeugen"

Projekt der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz "Energiearmut vorbeugen - Energiekostenberatung" Im Januar 2013 startete das dreijährige Pilotprojekt "Energiearmut vorbeugen - Energiekostenberatung" der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, in dessen Rahmen eine umfangreiche Beratung für betroffene Haushalte angeboten wird.

Daneben werden die Ursachen für Energiearmut untersucht sowie Strategien zur Behebung und Vorbeugung von Energieschulden entwickelt. Die mehrstufige Beratung richtet sich an einkommensschwache Haushalte, die Schwierigkeiten haben, ihre Energierechnungen zu zahlen. Sie reicht von der Mediation zwischen Kunde und Energieversorger über die technische Energieeinsparberatung bis hin zur Energierechtsberatung. Zunächst stand das Beratungsangebot nur im Großraum Mainz zur Verfügung, im Juli 2015 wurde es jedoch auf die Städte Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Pirmasens und Trier ausgeweitet. Das Projekt wurde für die beiden zurückliegenden Projektjahre vom Institut e-fect eG Berlin/Trier evaluiert.

Die Evaluationsergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst dargestellt:

Rund 350 Menschen hat die Verbraucherzentrale in den vergangenen zwei Jahren betreut. Davon erklärten sich 184 Ratsuchende damit einverstanden, ihren Fall durch die Verbraucherzentrale umfassend dokumentieren und von e-fect analysieren zu lassen. Zudem konnten 48 ehemalige Ratsuchende, deren Beratung bereits mindestens ein halbes Jahr zurück lag, telefonisch zur Nachhaltigkeit der in der Beratung erreichten Lösungen befragt werden.

Systemische Energiekostenberatung

Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass es mit der systemischen Energiekostenberatung gelungen ist, die Bedürfnisse der Betroffenen zielgenau anzusprechen. Durch den interdisziplinären Ansatz, die Einbindung von Rechtsberatung, Schuldnerberatung und technischer Unterstützung durch die Vor-Ort-Beratung konnte passgenau auf die Probleme der Ratsuchenden reagiert werden.

Die überwiegende Zahl der Ratsuchenden (93%) hat zu Beginn der Beratung Energieschulden, wobei zwei Drittel ausschließlich wegen Stromschulden in die Beratung kommen, die in vielen Fällen durch hohe Nachzahlungen aus der Jahresabrechnung entstanden sind. Bei 41% der Fälle stand eine Energiesperre bevor und bei 43% war die Versorgung bereits gekappt.

Unter den dokumentierten Beratungsfällen waren besonders häufig Haushalte mit Kindern. So leben in 42% der betroffenen Haushalte Kinder, wobei 45% der Haushalte mit Kindern von Alleinerziehenden geführt werden.

Vor Beratungsbeginn haben bereits viele der Betroffenen (71%) versucht, ihr Problem selbst zu lösen, bspw. durch die Beantragung von Unterstützungen bei Job- und Sozialämtern oder durch Verhandlungen mit dem Energieversorgungsunternehmen (EVU). Allerdings hat sich gezeigt, dass sie in Verhandlungen mit dem EVU und sozialen Behörden ihre Interessen nur schwer durchsetzen können bzw. nicht um ihre Möglichkeiten wissen.

Verbraucherzentrale übernimmt Mittlerrolle

Die Verbraucherzentrale nimmt hier eine Mittlerrolle zwischen Ratsuchenden, EVU, Vermietern und Behörden ein und sorgt für den Ausgleich der verschiedenen Positionen. So konnten durch das Engagement und Know-how der Projektmitarbeiter viele der akuten aber vor allem der dauerhaften Probleme der Ratsuchenden gelöst werden.

Nach Vermittlung der Verbraucherzentrale wurden in 82% der Fälle bestehende Stromsperren aufgehoben und in 96% der Fälle konnten angedrohte Stromsperren abgewendet werden. Gleichzeitig konnten für 87% der Betroffenen bessere Zahlungsmodalitäten erzielt werden wie z.B. Ratenpläne, Veränderungen der Abschläge und Beantragungen von Warmwasserzuschüssen. Die Situation der betroffenen Haushalte konnte dadurch insgesamt verbessert und das Risiko erneuter Stromsperren verringert werden.

Neben der Mediation wird im Rahmen der Beratung aber auch über einen längeren Zeitraum ein neues Verhalten im Umgang mit Rechnungen, Energieverbrauch und Prioritäten eingeübt oder auch mit Hilfe der Schuldnerberatung oder psychosozialer Betreuung Lösungen für die Überbelastung der Betroffenen gesucht.

In der Vor-Ort-Beratung wird den Ursachen für einen hohen Energieverbrauch auf den Grund gegangen und Anleitungen zur Verbrauchsreduzierung gegeben wie z.B. der Einsatz von Durchflussbegrenzern, die Anleitung zur korrekten Regelung von Heiz- und Warmwassergeräten oder das Ermitteln des eigenen Verbrauchs.

Nachhaltige Beratung

Ein weiterer wichtiger Erfolg des Projektes ist die erzielte Nachhaltigkeit der Beratung. 83% der ehemaligen Ratsuchenden geben an, dass die Energiekostenberatung der Verbraucherzentrale maßgeblich zur Lösung ihrer Probleme beigetragen hat und aktuell keine Probleme bestehen. Die Klärung des Konflikts mit dem Energieversorger, die verbesserten Zahlungsbedingungen und auch die übrigen Hilfestellungen der Verbraucherzentrale wurden als äußerst hilfreich empfunden.