Die Jury über die fünf Siegerregionen des zweiten Wettbewerbs

Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg

Die beiden Heilbäder Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg nutzen mit ihrem Wettbewerbsbeitrag die Chance, vorhandene Strukturdefizite zu beheben, um sich zu einem „guten“ und „sicheren“ Reiseziel insbesondere für gesundheitsorientierte Gästegruppen zu entwickeln. Das auf Basis einer umfassenden Bestandsaufnahme entwickelte Aktionsprogramm beschreibt detailliert die notwendigen Maßnahmen zur Optimierung der Barrierefreiheit für alle Bereiche der touristischen Servicekette.
Viele der Maßnahmen zeichnen sich durch ihre hohe Serviceorientierung aus, die bei der Umsetzung unbedingt beibehalten werden sollte, z. B. ein Willkommensgespräch, ein Fahrdienst für Kuranwendungen usw. Ebenfalls wird der Hotelmasterplan als ein wichtiges Instrument bewertet, um die Beherbergungsbetriebe gezielt in die Förderung des barrierefreien Tourismus einzubinden.
Mit dem bereits gegründeten Netzwerk „Tourismus für Alle – Bad Kreuznach“ wurde eine wichtige Basis für die Umsetzung der Maßnahmen geschaffen, da die eingebundenen Partner die Zusammenarbeit und z. T. auch die Finanzierung zugesichert haben. Eine sehr wichtige Funktion zur Vernetzung und zur Abstimmung der Zusammenarbeit nimmt die zu installierende Koordinationsstelle ein.
Für eine erfolgreiche Umsetzung wird empfohlen, dass das umfangreiche und anspruchsvolle Maßnahmenprogramm auf zentrale Maßnahmen konzentriert wird, die die höchste Impulswirkung zur Förderung des barrierefreien Tourismus versprechen und für die eine nachhaltige Projektumsetzung gesichert ist (z. B. Finanzierung Instandhaltungskosten Bewegungspark). Darüber hinaus ist zu prüfen, inwieweit weitere Partner aus anderen Branchen und Nachbarregionen in die Umsetzung eingebunden werden können, um die positiven Effekte für regionale Wirtschaftskreisläufe und auch die Vorbildwirkung für das Land auszubauen.

Modellregion Germersheim

Mit ihrem umfangreichen und inhaltlich überzeugenden Wettbewerbsbeitrag hat die Modellregion Germersheim einen Wettbewerbsbeitrag erarbeitet, der für sich genommen bereits über Modellcharakter verfügt: Mithilfe eines breit angelegten Beteiligungsprozesses wurde eine detaillierte Bestandsaufnahme für den barrierefreien Tourismus in der Region durchgeführt und Defizite sowie Entwicklungschancen identifiziert. Darauf basierend wurden gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die für die unterschiedlichen landesweiten Themenschwerpunkte, die unterschiedlichen Bereiche der Servicekette sowie die unterschiedlichen Anspruchsgruppen des Tourismus für Alle aufbereitet wurden.
Damit hat die Modellregion Germersheim einen idealtypischen Prozess zur Förderung des barrierefreien Tourismus gestartet, der für andere Tourismusregionen – insbesondere solche, die ebenfalls über eine eher ungünstige Ausgangslage verfügen – vorbildhaft ist. Dieser Prozess soll durch den schrittweisen Ausbau der barrierefreien touristischen Servicekette in vier Phasen fortgeführt werden, so dass eine hohe Umsetzungsorientierung gegeben ist. Dank der Kooperationsvereinbarung mit der Bewerberregion „Speyer und Rhein-Pfalz-Kreis“ kann der überregionale Vernetzungsgrad und der Modellcharakter sogar noch ausgebaut werden.
Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es unerlässlich, einen zentralen Kümmerer einzusetzen, der die engagierten Akteure und insbesondere die Geschäftsführung des Südpfalz Tourismus Landkreis Germersheim e. V. in der Umsetzung des anspruchsvollen Maßnahmenplans unterstützt sowie die Koordination der Zusammenarbeit übernimmt.

Modellregion Nord- und Südeifel

Im Vergleich zu ihrem Beitrag für die erste Runde des Wettbewerbs „Tourismus für Alle“ hat die Modellregion Nord- und Südeifel (“Grenzenlos Barrierefrei“) die Maßnahmenplanung zur Förderung des barrierefreien Tourismus deutlich optimiert und konkretisiert, indem die Themen Wandern und Naturerleben gezielt in den Fokus gerückt wurden.
Mit der geplanten Entwicklung zur Pilotregion für barrierefreie Komfortwanderwege bietet sich die Chance, über die Schaffung eines Leuchtturm-Angebotes die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und sich bundesweit als Vorreiter zu profilieren. Entsprechend wird der Innovationsgrad der Projektidee als hoch eingeschätzt, da es bislang keine Pilotregionen für die Anwendung der neu eingeführten Qualitätskriterien für barrierefreie Komfortwanderwege im Rahmen des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ gibt.
Eine sehr wichtige Funktion zur Vernetzung und zur Koordination der Zusammenarbeit sowie für das Qualitätsmanagement nimmt der zu installierende Innovationsmanager ein. Dank der innovativen Projektidee, der Vielzahl bereits identifizierter Partnerbetriebe und des Innovationsmanagers wird eine hohe Impulswirkung erwartet, die sich positiv auf den regionalen Wirtschaftskreislauf auswirkt.
Für die erfolgreiche Umsetzung wird empfohlen, dass die geplanten Maßnahmen unter Berücksichtigung des Kriteriensystems für barrierefreie Komfortwanderwege detailliert ausgearbeitet werden (z. B. Auswahl geeigneter Wege, barrierefreie Gestaltung der Besucherlenkung und von Erlebnisstationen, Einbindung von Einrichtungen entlang des Weges u. a. Zertifizierung von Übernachtungsbetrieben).

Modellregion Saar-Obermosel

Mit ihrem Konzept „Barrierefreies Reisen in der Ferienregion Saar-Obermosel“ hat die Modellregion Saar-Obermosel einen sehr detaillierten Wettbewerbsbeitrag erstellt, der durch seine hohe Umsetzungsorientierung überzeugt.
Im Mittelpunkt steht die Schaffung von neuen und sehr innovativen barrierefreien Tourismusangeboten mit Leuchtturm-Charakter (z. B. Kanu-SAARfari, Weinproben im Dunkeln, interaktiver Besinnungswanderweg für alle Sinne). Da dabei ganz bewusst regionale Besonderheiten inwertgesetzt und für alle Gäste zugänglich gemacht werden, bietet sich erhebliches Potenzial zur Profilierung und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Modellregion. Gleichzeitig entfalten die Maßnahmen Modellcharakter für andere Regionen. Durch eine geplante Vernetzung in der 3-Länder-Region kann das Entwicklungspotenzial noch weiter ausgebaut werden, so dass dieser Ansatz, vor dem Hintergrund der zu erwartenden Impulswirkung, bei der Umsetzung weiterverfolgt werden sollte.
Positiv bewertet wurde auch, dass die geplanten Maßnahmen ganz gezielt Mehrwert für alle Gäste schaffen sollen – statt auf stigmatisierende Sonderlösungen wird auf erlebnisorientierte Lösungen gesetzt. Dabei werden die Bedürfnisse von Personengruppen mit unterschiedlichen Mobilitäts- oder Aktivitätseinschränkungen berücksichtigt.
Für eine erfolgreiche Umsetzung wird empfohlen, einen zentralen Kümmerer zu benennen, der die bereits eingebundenen Partner und insbesondere die Geschäftsführung der Saar-Obermosel Touristik in der Umsetzung unterstützt sowie die Koordination der Zusammenarbeit übernimmt. Damit die Umsetzung zentral gesteuert werden kann, sollte der Kümmerer in Abstimmung mit der Geschäftsführung die Projektleitung übernehmen. Darüber hinaus wird empfohlen, dass die Kalkulation für die einzelnen Maßnahmen noch einmal geprüft wird; einige der der bisherigen Kostenschätzungen werden als unrealistisch hoch angenommen (z. B. für die barrierefreie Internetseite).

Modellregion Speyer und Rhein-Pfalz-Kreis

Durch die Vernetzung von Speyer mit dem Rhein-Pfalz-Kreis (und der Wettbewerbsregion Germersheim) sollen bestehende und hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit ggf. noch zu optimierende Tourismusangebote in der Stadt mit neu zu schaffenden, naturnahen Erlebnisangeboten in der Region verbunden werden, um somit neue Möglichkeiten für ein möglichst mehrtägiges barrierefreies Urlaubserlebnis bieten zu können. Dieser Lückenschluss soll mithilfe eines umfassenden Ausbaus der barrierefreien touristischen Servicekette gelingen. Die daraus resultierenden Effekte für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region werden aufgrund des intensiven Vernetzungsgrades als hoch erwartet. Gleichzeitig entfaltet das Konzept der barrierefreien Gestaltung von Stadt-Umland-Beziehungen Modellcharakter für andere Tourismusregionen, auch hinsichtlich der Bildung einer nachhaltigen Tourismusdestination.
Durch die bewusste Einbeziehung des „Reisen für Alle“-Zertifikates, das ab 2016 auch für barrierefreie Naturerlebnisse verfügbar ist, kann die Rolle als Vorreiter noch weiter ausgebaut werden. Aufgrund der Einbindung einer Vielzahl von Projektpartnern und der Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle zur Steuerung der Zusammenarbeit überzeugt der Wettbewerbsbeitrag durch eine hohe Umsetzungsorientierung.
Für die erfolgreiche Umsetzung wird empfohlen, dass die geplanten Maßnahmen von Speyer und dem Rhein-Pfalz-Kreis sowie Germersheim optimal aufeinander abgestimmt werden, so dass die zu erwartenden positiven Effekte in vollem Umfang realisiert werden können. Außerdem sollten die Maßnahmen für Personen mit Aktivitätseinschränkungen ausgebaut werden, damit nicht nur Personen mit Mobilitätseinschränkungen von dem erweiterten touristischen Angebot profitieren können.