Schmitt/Becht: Erfolge bei der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln anerkennen – EU muss Bezugszeitraum anpassen

Auf den Pfälzer Weinbautagen verdeutlichte die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt erneut ihre Haltung zum Verordnungsvorschlag der Europäische Kommission hinsichtlich der nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Schmitt lehnt pauschale Verbote weiterhin ab, begrüßte aber die Gesprächsbereitschaft der EU. Sie kündigte an, dass sich das Land auch dafür einsetzen wird, die freiwilligen Reduktionserfolge der Winzer und Landwirte stärker anzuerkennen. Auf der Amtschefkonferenz der Agrarressorts, an der Staatssekretär Andy Becht das Haus vertrat, wurden diese Sorgen geteilt und mündeten in einen entsprechenden Beschluss.

„Ich habe mich auf allen Ebenen – vom Bund bis hin zur EU – für ein differenziertes Vorgehen stark gemacht. Undifferenzierte Reduktionsziele und pauschale Verbote führen in die Sackgasse. Dieser Einsatz hat sich gelohnt, denn inzwischen zeigt sich die Europäische Kommission in einem inoffiziellen Positionspapier kompromissbereit und betont von einem Totalverbot abrücken zu wollen“, sagte Schmitt. Sie werde die weiteren Verhandlungen aufmerksam verfolgen und sich für zukunftssichere Rahmenbedingungen einsetzen. Ein moderner, integrierter Pflanzenschutz beginne bei der Auswahl passender und möglichst resistenter Sorten, führe über modernste mechanische und biologische Methoden und verwende auch, wo nötig, chemische Mittel bei der Bekämpfung von Schaderregern. 

„Ich bin überzeugt: Die Zukunft der Landwirtschaft braucht eine konsequente Nutzung moderner Technologien – für hochwertige Produkte und für einen besseren Klima-, Umwelt-, Natur-, Tier- und Pflanzenschutz“, sagte Schmitt. Nun gelte es, die Reduktionserfolge, die die Winzer und Landwirte dank dieser Verfahren erzielen konnten, auch entsprechend zu würdigen. Rheinland-Pfalz setzte sich deshalb auf der Amtschefkonferenz der Agrarressorts mit einem Antrag dafür ein, auf eine Änderung des Bezugsrahmens in der EU-Verordnung zu drängen.

Staatssekretär und Amtschef Andy Becht erklärte: „Unsere Winzerinnen und Winzer reduzieren seit mehr als zehn Jahren nachhaltig den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“, sagte Becht. „Daher muss der Bezugszeitraum für die Reduktionsziele aus unserer Sicht in den Jahren 2011 bis 2013 liegen.“ Im Vergleich zu diesem Zeitraum sei die Verwendung aller Mittel um 32 Prozent zurückgegangen. Im Zeitraum, den die Kommission präferiert, würden 9 Prozent dieser Einsparungen „unter den Tisch fallen“: „Das ist für uns nicht akzeptabel, denn diese Reduktionen sind für die Betriebe mit großem Aufwand verbunden.“ Becht äußerte sich zufrieden, dass das Gremium die Bedenken teilte. 

Hintergrund:

In der von der Europäischen Kommission im Juni 2022 vorgeschlagenen Reform der „Pestizidrichtlinie“ soll erstmals ein rechtlich verbindliches Reduktionsziel beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln festgeschrieben werden: Bis 2030 sollen 50 Prozent weniger chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ferner sollen in Zukunft alle Pflanzenschutzmittel in „empfindlichen Gebieten“ verboten werden. Rheinland-Pfalz lehnt diese Pläne ab. 
 

Carsten Zillmann
Pressesprecher
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Tel. 06131/16-2550