Europäische Innovationspartnerschaft geht in die zweite Runde - Wissing stellt rund vier Millionen Euro für sieben innovative Vorhaben bereit

Im Rahmen des von Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing ausgerufenen 2. Förderaufrufs für die „Europäische Innovationspartnerschaft landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) wurden sieben innovative Vorhaben für eine Förderung ausgewählt und rund vier Millionen Euro bereitgestellt.

„Mit unserem Förderprogramm unterstützen wir Lösungen für die aktuellen Herausforderungen in der Land- und Ernährungswirtschaft. Kleinteilige, praxisnahe Lösungsansätze und ein schneller Wissenstransfer in die Praxis sind der Schlüssel“, hat Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing zur Auswahl der geförderten Projekte gesagt.
EIP-Agri setzt genau hier an. Ziel des europäischen Förderinstruments ist die engere Verzahnung der landwirtschaftlichen Praxis mit Beratung, Wissenschaft und weiteren Akteuren, etwa aus dem nachgelagerten Bereich. Gemeinsam sollen sie neue Ideen entwickeln, bestehende Verfahren optimieren und Innovationslücken schließen. Die Zusammenarbeit erfolgt in Form so genannter Operationeller Gruppen (OG).

Die Bandbreite der geförderten Vorhaben ist vielfältig und reicht vom Anbau von Braugerste im Ökolandbau, über die Verbesserung regionaler Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte bis hin zur Erprobung alternativer Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsstrategien, u.a. im Zuckerrübenanbau oder der Weiterentwicklung der teilmobilen Schlachtung. 
Seit Dezember letzten Jahres waren potentielle OG aufgerufen, Projektvorschläge einzureichen. Thematisch war der Förderaufruf für alle Anwendungsfelder in der Landwirtschaft offen. Rund 25 Prozent der Mittel waren für Vorhaben mit einem Schwerpunkt im Bereich Digitalisierung reserviert. Alle Vorhaben nutzen digitale Techniken. Von den eingegangenen 13 Bewerbungen wurden von einem Bewertungsausschuss nach den mit dem EULLE-Begleitausschuss abgestimmten Kriterien sieben Vorhaben für eine Förderung ausgewählt. Dafür werden Mittel in Höhe von rund vier Millionen Euro bereitgestellt.

Minister Wissing wünscht den ausgewählten OG viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Vorhaben.

Susanne Keeding
Pressesprecherin
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Tel. 06131/16-2550

Hintergrund 

Die Fördermaßnahme M16 (EIP-Agri) ist eine von zehn Maßnahmen des Entwicklungsprogramms EULLE. 

„EULLE“ steht für „Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ für die Förderperiode 2014-2020. EULLE bildet ein Kernstück der Förderung des ländlichen Raums in Rheinland-Pfalz. Das Programm wird mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) in Höhe von rund 300 Millionen Euro finanziert. Hinzu kommen Kofinanzierungsmittel von Bund und Land oder anderen öffentlichen Trägern etwa in gleicher Höhe 
www.eler-eulle.rlp.de.

Im Rahmen des 1. Förderaufrufs EIP-Agri aus 2015 konnten sieben Vorhaben in die Umsetzung gebracht werden. Dafür wurden knapp zwei Millionen Euro an ELER- und Landesmittel zur Verfügung gestellt. Die Vorhaben rheinland-pfälzischer sowie anderer deutscher Operationellen Gruppen sind auf der Datenbank der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) einsehbar (https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/themen/eip-agri/eip-datenbank/).

Übersicht der ausgewählten Vorhaben (in alphabetischer Reihenfolge) und jeweiliger Lead-Partner:

Bezeichnung der
Operationellen Gruppe

Lead-Partner

Kurzbeschreibung in
Stichpunkten

OG Braugerste

Von der Braugerste bis zum Biobier – Blaupause für regionale und nachhaltige Wertschöpfung

Technische Hochschule Bingen

 
  • Steigerung des ökologischen Anbaus von Braugerste sowie Aufbau einer Wertschöpfungskette für die regionale Vermarktung von der Braugerste bis zum Biobier
  • Steigerung des Absatzes von Biobraugerste
  • Identifikation von Optimierungs­möglichkeiten sowie Verbesserung von Sortenempfehlungen für Biobraugerste
  • Entwicklung neuer rheinland-pfälzischer Biobiere
 

OG DaLeA

Dauerhafter Lebendmulch im Ackerbau

CM Büroservice
(Frau Christine Mittermeier)

 
  • Etablierung von dauerhaftem Lebendmulch (Weißklee als permanente Bodenbedeckung) im Ackerbau innerhalb diverser Fruchtfolgen
  • Praxistaugliche Weiterentwicklung eines acker- und pflanzenbaulichen Systems, das wirtschaftlich tragfähig, nachhaltig und ressourcenschonend arbeitet.
  • Umsetzbarkeit und Übertragbarkeit auf verschiedene landwirtschaftliche Betriebstypen sowie die Erarbeitung eines Entscheidungshilfemodells
 

OG E-Herb-RLP

Implementierung eines Verfahrens zur elektrophysikalischen Vegetationskontrolle (Elektroherb-Verfahren) in die rheinland-pfälzische Landwirtschaft zur Reduktion des Herbizideinsatzes und umweltrelevanten Verbesserung der Anbauverfahren

Technische Hochschule Bingen

 
  • Ersetzung der bislang üblichen Unterstockapplikation von Herbiziden durch ein neues elektrophysikalisches Verfahren
  • Testung der Wirksamkeit sowie Optimierung des vorgenannten Verfahrens
  • Reduktion des Einsatzes von Herbiziden
 

OG LEGU-P

Phosphordüngung mit Rezyklaten in Leguminosenfruchtfolgen des Ökologischen Landbaus

Technische Hochschule Bingen

 
  • Substitution der im Ökolandbau überwiegend eingesetzten weicherdigen Rohphosphaten durch phosphorhaltige Dünger
  • Testung von Produkten aus der Abwasseraufbereitung (Phosphor-Rezyklate) im Feld
  • Testung und Entwicklung unter­schiedlicher Düngungsstragien mit Leguminosen auf Praxisbetrieben des Ökolandbaus.
 

OG Lupi-Hirse-Huhn

Alternative Kulturen für die pflanzenbauliche Anpassung an den Klimawandel und Verbesserung der regionalen Wertschöpfung durch neue Fütterungsstrategien in der Geflügelhaltung

Landwirtschaftskammer
Rheinland-Pfalz

 
  • Etablierung von zwei neuen Kulturarten (Sorghumkörnerhirse und weiße Lupine) im rheinland-pfälzischen Ackerbau u. a. als Anpassung an den Klimawandel
  • (zunächst) Verwertung der Ernte in der Geflügelfütterung zur Stärkung der regionalen Produktion und Wertschöpfung
  • stärkere Nutzung von gentechnik-freiem, regional bzw. hofeigen erzeugtem Futter
 

OG NIKIZ

Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft zur Sicherung von Anbau und Verarbeitungsstandort in Rheinland-Pfalz

Verband der
Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.

 
  • Begegnung der aktuellen Heraus­forderungen des Zuckerrübenanbaus (Verbot wichtiger Beizmittel, Zunahme an virösen und bakteriösen Krankheiten sowie Schädlingen und invasiven Arten)
  • Entwicklung neuer Anbaustrategien zur Produktionssteigerung, Ertrags­sicherung und Sicherung der mittel­ständischen landwirtschaftlichen Betriebe
  • Anwendung digitaler Techniken und Informationen für ein effizientes Schaderregermonitoring
 

OG TadeLoS

Töten auf dem Lande ohne Stress

 

Bio Rind & Fleisch GmbH RLP
(Herr Thorsten Neubauer)

 
  • Weiterentwicklung des Verfahrens der teilmobilen Schlachtung vom Einzel-Tier zu relevanten Stückzahlen für die Regionalvermarktung
  • Erstellung eines Kommunikations­konzept über die gesamte Wertschöpfungskette