Regionaler Wohlfahrtsindex Rheinland-Pfalz

Das Bruttoinlandsprodukt steigt – aber die gesellschaftliche Wohlfahrt sinkt. Mit anderen Worten: Obwohl die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zunimmt, verbessern sich die Lebensbedingungen der Menschen im Lande nicht.

Die Entwicklung in Rheinland-Pfalz

Dieses Szenario ist durchaus realistisch. Für Rheinland-Pfalz kommt die vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Auftrag gegebene Studie zum Regionalen Wohlfahrtsindex 2015 zwar zu dem Ergebnis, dass sich das Bruttoinlandsprodukt und der Regionale Wohlfahrtsindex  für die untersuchten Jahre 1999 bis 2013 phasenweise parallel entwickeln. Dies gilt insbesondere für die ersten Jahre des Untersuchungszeitraums. Für die Jahre 1999 bis 2003 kann konstatiert werden, dass ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt mit einer steigenden Wohlfahrt einhergeht.

Ab dem Jahre 2003 verändert sich das Bild. Während das Bruttoinlandsprodukt vor allem bis 2007 und dann wieder ab 2009 deutlich steigt, sinkt der Regionale Wohlfahrtsindex seit 2003 nahezu kontinuierlich, bis er nach einer deutlichen Erholungsphase 2011 in den Jahren 2012 und 2013 wieder leicht zurückgeht. Betrachtet man den Zeitraum von 2003 bis 2013, so steht einem steigenden Bruttoinlandsprodukt ein sinkender Regionaler Wohlfahrtsindex gegenüber. Trotz Wirtschaftswachstums hat die gesellschaftliche Wohlfahrt abgenommen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind in erster Linie bei den nach Verteilung gewichteten Konsumausgaben zu suchen. Diese wirken als Folge der zunehmenden Ungleichentwicklung der Einkommensverteilung negativ auf den Regionalen Wohlfahrtsindex ein. Darüber hinaus spielen Umweltbelastungen eine wichtige Rolle.

Warum das Bruttoinlandsprodukt nicht reicht

Das Bruttoinlandsprodukt als Maß für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist als Maß für gesellschaftliche Wohlfahrt nicht hinreichend. Denn viele Dinge, die für die Gesellschaft wertvoll sind, werden in der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts nicht erfasst. Dies betrifft etwa Hausarbeit, insbesondere die häusliche Pflege, deren Wert für die gesellschaftliche Wohlfahrt kaum überschätzt werden kann. Zu denken ist auch an das Ehrenamt. Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr, die Betreuerinnen und Betreuer im Sportverein, die vielen Menschen, die sich in der Arbeit mit Flüchtlingen engagieren, sie alle tragen ganz erheblich zur gesellschaftlichen Wohlfahrt bei. Für ein Maß, das gesellschaftliche Wohlfahrt und nicht wirtschaftliche Leistungsfähigkeit messen möchte, müssen diese und ähnliche Aspekte eine Rolle spielen.

Zentral ist in diesem Zusammenhang auch die Frage der Ökologie. Wirtschaftliche Entwicklung muss innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde erfolgen. Ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt signalisiert keine steigende gesellschaftliche Wohlfahrt, wenn gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten zerstört werden. Das Bruttoinlandsprodukt ist für dieses Problem schlecht gerüstet: Die Mittel, die für eine umweltschädliche Produktion aufgewendet werden, tragen ebenso zum Wachsen des Bruttoinlandsprodukts bei wie die Aufwendungen, die den entstandenen Schaden wieder reparieren oder zumindest die Folgen beherrschbar machen sollen.

Wie der Regionale Wohlfahrtsindex misst

Der Regionale Wohlfahrtsindex stellt ein Wohlfahrtsmaß dar, das – anders als das Bruttoinlandsprodukt –  zwischen wohlfahrtsfördernden und wohlfahrtsmindernden Aspekten des Wirtschaftens unterscheidet. Basisgröße der Berechnung ist der private Konsum, der mit einem Maß für die Einkommensverteilung (dem sogenannten Gini-Koeffizienten) gewichtet wird. Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten gehen ebenso positiv in die Berechnung ein wie ein Teil der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Bildung. Abgezogen werden wohlfahrtsmindernde soziale und ökologische Aspekte. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Kosten für Kriminalität, für Verkehrsunfälle oder für Umweltschäden.

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Nachhaltigkeitsstrategie Rheinland-Pfalz
Unser Ziel: Nachhaltigkeit

„There is no plan B because we do not have a planet B“, so Ban Ki-moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, mit Blick darauf, dass am Klimaschutz kein Weg vorbeiführt. In der Tat haben wir keine zweite Erde. Jedoch emittiert die Menschheit zurzeit Treibhausgase und verbraucht natürliche Ressourcen in einem Maße, wonach eigentlich mehr als eine Erden vonnöten wäre. Anders ausgedrückt: Am 13. August 2015 waren diese Ressourcen für das gesamte Jahr bereits aufgebraucht.
Ein Umsteuern ist daher dringend erforderlich. Deshalb gibt es zu Nachhaltigkeit keine Alternative – global, aber auch in jeder Region. Dies ist, auf globaler Ebene, die Botschaft der im September 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung, die in ihrem Kern international vereinbarte, globale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung enthält.

Unser Land: Rheinland-Pfalz


In Rheinland-Pfalz war das meteorologische Jahr 2014 das wärmste seit Beginn der flächendeckenden Temperaturmessungen im Jahre 1881. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,6 Grad Celsius wurde der langjährige Mittelwert der Jahre 1971 bis 2000 um 1,8 Grad Celsius überschritten. Eine Folge ist, dass bis Ende des Jahrhunderts eine Entwicklung des Waldklimas in Richtung warm-trockener Verhältnisse zu erwarten ist, das heißt, klimatische Verhältnisse herrschen, die im Vergleich zu heutigen Waldklimaverhältnissen fremd sind. Die Wälder an den Hängen der großen Flusstäler (Rhein, Mosel, Nahe) und deren Umgebung (Nord-Pfalz, Haardtrand) werden den Projektionen zufolge von warm-trockenen Klimaverhältnissen betroffen sein.
Die Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung ist mithin unumgänglich. Dabei geht es darum, sich an neue Verhältnisse anzupassen. Gleichzeitig ist dringend erforderlich, weitere Schädigungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu vermeiden, also den Klimawandel zu begrenzen, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und den Ressourcenverbrauch an den ökologischen Belastbarkeitsgrenzen der Erde auszurichten.
Die notwendige Umstellung ist jedoch zugleich eine Herausforderung. Wie wollen wir leben, wenn uns weniger Ressourcen zur Verfügung stehen? Wie können wir die biologische Vielfalt in Rheinland-Pfalz erhalten? Was müssen wir tun, um das Klima zu schützen und dabei gleichzeitig die Versorgung mit bezahlbarer Energie sicherzustellen?

Unser Instrument: Die Nachhaltigkeitsstrategie

Mit der Fortschreibung 2015 werden erstmals Nachhaltigkeitsziele für Rheinland-Pfalz eingeführt. An diesen Zielen kann der Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung in unserem Land gemessen werden. Gleichzeitig geben diese Ziele auch Orientierung. Sie legen die Perspektiven der Landesregierung offen und unterstreichen den politischen Willen, Rheinland-Pfalz auf dem Weg einer nachhaltigen Entwicklung voranzubringen.

Wie die Fortschreibung 2015 der Nachhaltigkeitsstrategie zeigt, befindet sich das Land dabei auf einem guten Weg, wenngleich die Herausforderungen vor dem Hintergrund der ökologischen Belastbarkeitsgrenzen keinesfalls bewältigt sind. So hat sich der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch zwischen 2000 und 2012 mehr als verfünffacht, gleichzeitig liegt der Anteil erneuerbarer Energien 2012 bei knapp elf Prozent, gegenüber gut 10 Prozent in Deutschland. Seit der Jahrtausendwende ebenfalls gestiegen sind die Energie- und die Rohstoffproduktivität, wobei Rheinland-Pfalz im Vergleich zur gesamtdeutschen Entwicklung bei der Energieproduktivität noch Aufholbedarf hat, bei der Rohstoffproduktivität hingegen eine Nasenlänge voraus ist.
Für die Bewertung der biologischen Vielfalt ist der Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert ein geeigneter Indikator. Demzufolge zeichneten sich in Rheinland-Pfalz 2013 12,8 Prozent der Landwirtschaftsflächen durch einen hohen Naturwert aus. Obwohl gegenüber 2009 eine leichte Steigerung zu verzeichnen ist, handelt es sich dabei aus Nachhaltigkeitssicht absolut um ein eher niedriges Niveau. Gleichwohl liegt Rheinland-Pfalz damit über dem bundesweiten Vergleichswert von 11,8 Prozent.

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Nachhaltigkeit kommunal
Nachhaltigkeit wird vor Ort konkret

Nachhaltig leben und wirtschaften – das funktioniert nur dann, wenn es dort verankert wird, wo die Menschen zuhause sind: In den Städten und Gemeinden. Die lokale Ebene ist entscheidend für eine nachhaltige und damit zukunftsgerechte Entwicklung.
Nachhaltiges Handeln muss zudem in die Verwaltungsprozesse eingehen, um erfolgreich zu sein. Dafür braucht es Strukturen, die Innovationspotentiale vorantreiben und aus Ideen ganzheitliche Prozesse werden lassen. Wie dies konkret aussehen kann, wird unter anderem durch Evaluierungen deutlich. Die ersten rheinland-pfälzischen Evaluierungsberichte liegen für die VG Südeifel (Neuerburg) und die Stadt Trier vor. Sie zeigen beispielhaft die Erfolge und Ergebnisse eines langfristig angelegten, kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements.

Land bietet kostenfreie Beratung für Kommunen

Das Wirtschaftsministerium bietet deshalb eine für Kommunen kostenfreie Beratung durch das internationale Städtenetzwerk ICLEI an. Kommunen, die Aspekte von Nachhaltigkeit, etwa in der Stadtplanung, bei Bürgerbeteiligung oder im Umgang mit endlichen Ressourcen, aufgreifen wollen, können diese Leistung in Anspruch nehmen. Ansprechpartner für die Kommunenberatung von ICLEI ist Peter Ulrich (0761/36892-65, Mail: nachhaltigkeitkommunal(at)iclei.org).
ICLEI ist ein weltweites Netzwerk von rund 2000 aktiven Städten und Gemeinden, die sich der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet haben. Auf der globalen Bühne vertritt ICLEI die Kommunen auf UN-Konferenzen und in vielen internationalen Gremien. Gleichzeitig engagiert sich ICLEI vor Ort und begleitet Kommunen auf Ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Das europäische Büro in Freiburg berät seit Ende der 1990er Jahre auch rheinland-pfälzische Kommunen im Programm „Nachhaltigkeit kommunal“.